Öffentlicher Verkehr in Bukarest, Pre-investment Study

Das rumänische Verkehrsministerium hat Ende 1996 zu einer Untersuchung des öffentlichen Verkehrs in Bukarest ("Pre-Investment Study for Bucharest Urban Transport"), die aus EU-PHARE-Mitteln finanziert wurde, eingeladen. Der Auftrag ging an eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus einer irischen Consulting-Firma und Regional Consulting (federführend Rosinak & Partner ZT GmbH), unter Einbeziehung von Experten der Wiener Linien.

Der mittelfristige Plan strategischer Verkehrs­optionen umfasste folgende Bereiche:

  • Szenarien der künftigen ÖV-Nachfrage
  • Strategie für die künftige Positionierung des öffentlichen Verkehrs gegenüber anderen Verkehrsarten,
  • Strategie für die künftige Positionierung der U-Bahn gegenüber anderen Bereichen des öffentlichen Verkehrs,
  • für einen besseren öffentlichen Verkehr notwendige Änderungen der institutionellen, finanziellen und rechtlichen Rahmenbedingungen, kurzfristige Investitions- und Maßnahmenpläne bis zum Stadium der Vor-Investition.

Grundsätzlich gab es zwei strategische Optionen für die Verkehrsentwicklung in Bukarest:

  • Entweder man akzeptiert den Trend zu mehr Autoverkehr und verstärktem Autobesitz als unvermeidlich und versucht, die Nachfrage durch Straßenausbau zu befriedigen. Damit verbunden wären signifikant schlechtere Leistungen des ÖV und starke Steigerungen des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen,
  • oder man macht aus Bukarest eine ÖV-Musterstadt mit Modellcharakter für Übergangsländer, indem man auf den ausgezeichneten allgemeinen Bedingungen für den ÖV aufbaut.

Zur Realisierung der zweiten Option müssten ernste Schwächen des bestehenden Systems überwunden werden:

  • U-Bahn und Oberflächenverkehr waren institutionell getrennt, es bestehen unterschiedliche Tarife und Fahrkartensysteme.
  • Die Straßenbahngleise, das Wagenmaterial und die Busflotte befanden sich in schlechtem Zustand.
  • Das unvollständige U-Bahnnetz entspricht nicht der Verkehrsnachfrage.
  • Der öffentliche Regionalverkehr ist dem künftigen Bevölkerungswachstum und der Suburbanisierung nicht gewachsen.

In Anbetracht der wirtschaftlichen Transformationskrise und fehlender Investitionsbudgets wurden folgende kurzfristigen Maßnahmen empfohlen:

  • Institutionelle Reorganisation und Vereinheitlichung der Tarifsysteme,
  • Aufwertung des Oberflächenverkehrs,
  • Entwicklung von modernen verkehrsplanerischen Entscheidungsinstrumenten, um rationale Entscheidungen zu ermöglichen und Fehlinvestitionen in teure Regional- und U-Bahnstrecken zu vermeiden.

In mittelfristiger Perspektive soll das primäre U-Bahnnetz vervollständigt und ein regionales Hauptnetz, basierend auf vorhandener Eisenbahninfrastruktur, aufgebaut werden. Jedenfalls wird die Integration von Stadtentwicklung, Flächennutzungsplanung und Verkehrsplanung für die Entwicklung des öffentlichen Verkehrs in Bukarest entscheidend sein.

Projektinformation

Auftraggeber: Rumänische Regierung
Bearbeitung: Helmut Hiess
Projektlaufzeit: 1997/98