Multifunktionales Zentrum Handelskai
Verkehrs- und Umweltuntersuchung, Garagenplanung, Bauakustische Planung
Im 20. Wiener Gemeindebezirk steht am Handelskai 94 - 96 das höchste Gebäude Österreichs. In einer Bauzeit von nur 20 Monaten wurde der 202 m hohe Millennium-Tower errichtet. Der Entwurf stammt von den Architekten Peichl, Podrecca und Weber. In 50 Stockwerken stehen Büroflächen im Ausmaß von 22.000 m² zur Verfügung.
Die Millennium City umfasst ein Einkaufszentrum mit ca. 18.000 m² Verkehrsfläche, ein Kino- und Freizeitcenter, einer Diskothek sowie 400 Wohnungen. Die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist sehr gut, der öffentliche Verkehrsknoten Handelskai befindet sich in unmittelbarer Nähe.
Aufgabenstellung
Der Auftrag des Bauwerbers (STUMPF Immobilien GmbH) beinhaltete die Erstellung einer Verkehrs- und Umweltuntersuchung sowie Beratungsleistungen bei der Garagenplanung und der Bauakustik. Es wurden
- die Verkehrserzeugung der geplanten Nutzungen ermittelt;
- die Leistungsfähigkeit der maßgebenden Kreuzungen am Handelskai untersucht;
- die Garagen auf ihre Funktionsfähigkeit geprüft und optimiert;
- die bestehenden Lärm- und Schadstoffimmissionen im Untersuchungsgebiet analysiert;
- die durch das Bauvorhaben verursachten Zusatzimmissionen bestimmt und beurteilt. Weiters wurden Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte vorgeschlagen;
- bauakustische Untersuchungen durchgeführt und Schallschutzmaßnahmen vorgeschlagen.
Verkehrsuntersuchung
Die Millennium City erzeugt an einem Werktag ca. 10.000 Fahrten im motorisierten Individualverkehr. Die größten Verkehrsbelastungen treten in der Nachmittagsspitze mit ca. 400 Zu- und 450 Abfahrten auf.
An den Ein- und Ausfahrten am Handelskai ist die Errichtung von Verkehrslichtsignalanlagen erforderlich.
Lärmuntersuchung
Bestand: Die Lärmsituation ist vom Straßenverkehr am Handelskai und von der Donauuferbahn geprägt. Die Planungsrichtwerte für den Dauerschall- und den Grundgeräuschpegel werden sowohl am Handelskai (um ca. 15 dB), als auch in der Wehlistraße (um ca. 5 dB) überschritten.
Projektbezogene Zusatzimmissionen: Die stationären Lärmquellen führten gemäß der ursprünglichen Planung zu Grenzwertüberschreitungen. Die Einhaltung von Mindestabständen zu den nächstgelegenen Wohnfenstern sowie eine Abschirmung einiger Lärmquellen war daher erforderlich. Der durch die Garage und die Anlieferung verursachte Verkehrslärm führt zu keiner unzulässigen Erhöhung des bestehenden Lärmniveaus.
Schadstoffuntersuchung
Die Untersuchung wurde für folgende Schadstoffe durchgeführt: Kohlenmonoxid (CO), Stickstoffdioxid (NO2), Dieselruß und Benzol. Die Grenzwerte für Zusatzimmissionen werden eingehalten, wenn die Ausblasöffnungen der Garagenabluft mindestens 4,5 m über dem Dachniveau des obersten Wohngeschosses liegen.
Unter Einhaltung der vorgeschlagenen Maßnahmen treten bei den Anrainern und den Bewohnern des Zentrums Handelskai keine unzumutbaren Schadstoffbelastungen auf.
Garagenplanung
Die Ein- und Ausfahrten der beiden Tiefgaragen mit insgesamt 2.180 Stellplätzen befinden sich am Handelskai. Die Garagenplanung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den planenden Architekten und unter besonderer Berücksichtigung der statischen Anforderungen. Folgende Aspekte wurden behandelt:
- Die Leistungsfähigkeit der Schrankenanlagen. Bemessung der Stauräume vor den Schranken sowie vor den Ampeln bei den Ausfahrten.
- Optimierung der Verkehrsorganisation in den Garagen zur Minimierung von Konfliktpunkten und Fahrweglängen. Möglichst gute Orientierung für die Garagenbenutzer.
- Nachweis der Befahrbarkeit der Rampen und Fahrflächen mit Hilfe des Schleppkurvenprogrammes SPIN.
Bauakustische Planung
Für den Bauteil 2 wurden Schallschutzmaßnahmen entworfen, damit es zu keinen gegenseitigen Beeinträchtigungen der unterschiedlichen Entertainment-Nutzungen kommt. Es wurden baulichen Maßnahmen wie z. B. Raum-in-Raum-Konstruktionen bzw. speziell abgestimmte Fußbodendämpfungen (Masse-Feder-Systeme) vorgeschlagen.
Details
Auftraggeber: STUMPF Immobilien GmbH
Projektkoordination: Michael Szeiler, Joachim Jira
Bearbeitungszeitraum: 1996 - 2003

