Wie viele Einwohner hat Österreich im Jahr 2030? Wo und wie werden sie wohnen, arbeiten, einkaufen, ihre Freizeit verbringen? Wie werden sie unterwegs sein, woher werden sie ihre Energie beziehen und welche räumlichen Konsequenzen sind durch den Klimawandel zu erwarten? Diesen Fragen geht die Österreichische Raumordnungskonferenz (ÖROK), das Koordinationsorgan aller institutionellen Akteure, die die Raumentwicklung Österreichs gestalten, nach. Am Schluss steht die Frage, welche Steuerungsmaßnahmen notwendig sind, damit unerwünschte Entwicklungen verhindert und eine zielorientierte Gestaltung der räumlichen Zukunft Österreichs erfolgen kann.
Rosinak & Partner wurden gemeinsam mit der ÖAR Regionalberatung für die Erstellung dieser räumlichen Szenarien beauftragt.
Von themenspezifischen Entwicklungsszenarien zu räumlichen Szenarien
Die räumliche Entwicklung eines Landes wird von vielen Faktoren beeinflusst. Unser Arbeitsteam bestand aus zahlreichen ExpertInnen unterschiedlicher Fachrichtungen. Sie sollten die Trends in den wichtigsten Einflussbereichen der Raumentwicklung aufbereiten und die möglichen räumlichen Konsequenzen in mehreren Szenarien darstellen. So genannte „Future Briefings“ zu den Themen Bevölkerung, Wirtschaft, Energie, Verkehr, Land- und Forstwirtschaft, Tourismus, Umwelt, Gesellschaft und institutionelle Rahmenbedingungen wurden im ersten Schritt ausgearbeitet.
Diese ersten Ergebnisse wurden in der ÖROK-Schriftenreihe Nummer 176/I „Szenarien der Raumentwicklung Österreichs 2030 – Materialienband" veröffentlicht.
Alles Wachstum – Alles Risiko – Alles Wettbewerb – Alles Sicherheit
Darauf basierend wurden vier themenübergreifende Szenarien entworfen, die in vier räumliche Szenarien „Alles Wachstum“, „Alles Risiko“, „Alles Wettbewerb“ und „Alles Sicherheit“ „übersetzt“ werden (Kurzfassung).
Neben den Szenarien wurden auch noch Megatrends gesucht, also Trends zu denen keine Alternativen erkennbar sind und wo nur das Tempo und die Intensität der Entwicklung variabel sind. Aus dem Thema Gesellschaft wurden beispielsweise folgende Megatrends als besonders raumrelevant vorgeschlagen:
- Alterung der Gesellschaft: die durchschnittliche Lebenserwartung steigt, der Anteil der 60 und mehrjährigen wächst:
In Österreich wird sich der Anteil der 60 und mehrjährigen bis 2030 von 22 % auf 29 bis 34 % erhöhen, die Zahl der Hochbetagten (über 80) um ca. 240.000 Personen zunehmen und das Durchschnittsalter von ca. 40 auf 45 Jahre ansteigen. - Bunte Gesellschaft: weitere Differenzierung der Gesellschaft durch Patchwork-Familien und -Berufskarrieren, Vielfalt der Lebensstile, multioptionale KonsumentInnen:
Höhere Einkommen, ökonomische Unabhängigkeit der Frauen, mehr Freizeit durch weniger familiäre Kinderbetreuungsarbeit sowie weniger Haushaltsarbeit durch technische Hilfen erlauben eine Individualisierung der Lebensgestaltung in allen Altersgruppen.
Neben einigen anderen Megatrends (globales Energieverbrauchswachstum, globales Mobilitätswachstum, wirtschaftliche Globalisierung, Digitale Welt, Klimawandel) werden diese Entwicklungen in allen Szenarien erwartet. Schließlich wurden auch so genannte Wild Cards definiert, Extremereignisse, deren Eintreten unwahrscheinlich ist, die aber im Fall des Eintretens große Wirkungen entfalten. Beispiele dafür sind etwa die Auflösung der EU, ein Solarenergiedurchbruch, eine technische Lösung für die CO2-Speicherung oder eine klimabedingte Völkerwanderung.
Aus den Megatrends und den Szenarien wurden besonders relevante räumliche Entwicklungen, die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind, relevante räumliche Entwicklungen mit großer Ungewissheit, wichtige Chancen und Risken für die Raumentwicklung und schließlich strategische Handlungserfordernisse abgeleitet.
Die Projektergebnisse werden in der ÖROK-Schriftenreihe im Frühjahr 2009 publiziert.
Details
Auftraggeber: Österreichische Raumordnungskonferenz ÖROK
Projektsteuerung: Helmut Hiess
Bietergemeinschaft: Rosinak & Partner und ÖAR Regionalberatung
Subauftragnehmer: Energyagency Austria, Institut für nachhaltige Entwicklung der Universität für Bodenkultur, CEIT Alanova, Büro Planwind, NPO-Institut der Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Höhere Studien, Statistik Austria, Wolfgang Lotter, Susanne Winter, Umweltbundesamt
Bearbeitungszeit: 2007/08


