Szenarien der Kulturlandschaft
Aufgabenstellung
Nachdem bereits im Modul SU2 der Kulturlandschaftsforschung („Infrastruktur und Kulturlandschaft“) Szenarien der Kulturlandschaft für drei Beispielgemeinden entwickelt worden waren, wurde das Büro Rosinak & Partner im Jahr 1998 mit dem Begleitmodul „Zukunftsbilder und Zukunftsgeschichten der Kulturlandschaft“ beauftragt, um die Szenario-Methode weiterzuentwickeln und an drei regionalen Beispielen anzuwenden.
2000
2020?
Methode
Ein regionales Kulturlandschafts-Szenario nimmt mit Hilfe der Szenariotechnik die in etwa zwanzig Jahren zu erwartende Raum- und Landschaftsentwicklung einer Region vorweg; es stellt anschaulich dar, wie sich die Herausforderungen der Zukunft (Technologie, Demografie, veränderte Lebensstile, Globalisierung usw.) in der Region und in ihrer Landschaft auswirken werden: Dazu werden Prognosen für verschiedene Sachbereiche gesammelt („Basisszenario“) und auf der regionalen Ebene der Kulturlandschaft zusammengeführt. Im Sinne der Anschaulichkeit wird die zu erwartende Entwicklung nicht nur auf der rationalen Ebene vermittelt, sondern auch auf der visuellen Ebene bildlicher Darstellung und auf der emotionalen Ebene des Alltagslebens. Ein regionales Kulturlandschafts-Szenario besteht also aus drei Elementen:
- Beschreibung der sektoralen Trends und Fortschreibung regionaler Eckdaten
- Zukunftsbilder: Karten oder Fotomontagen der Zukunftslandschaft
- Zukunftsgeschichten: rollenspezifische Beschreibungen des Alltagslebens
Ein regionales Kulturlandschafts-Szenario ist vor allem ein Mittel zur Kommunikation über die Zukunft der Region, Akteure aus der Region werden in die Szenarioerstellung und -bewertung einbezogen (Szenario-Workshops). Das Szenario wirft allerdings neue Fragen auf, indem es eine mögliche Zukunft beschreibt: So wird unsere Region in zwanzig Jahren ausschauen, wenn alles weitergeht wie bisher. Wollen wir das? Wenn ja, was müssen wir dafür tun? Wenn nein, wie können wir es verhindern?
Ergebnisse
Für drei Regionen wurden Kulturlandschafts-Szenarien erarbeitet:
- Mostviertel, Niederösterreich
- Bregenzerwald, Vorarlberg
- Mühlviertel, Oberösterreich
Zusammenfassend sind für die nächsten zwanzig Jahre folgende Trends der Landschaftsentwicklung in allen bearbeiteten Regionen erkennbar:
- Die Produktionsfunktion der Landschaft nimmt ab, die Erholungsfunktion nimmt zu.
- Landschaftsvielfalt und Unverwechselbarkeit nehmen ab.
- Mit dem Bedeutungsverlust der Landwirtschaft ändert sich die regionale Identität.
- Die Siedlungsgebiete dehnen sich, wie schon bisher, weiterhin aus.
- Bei wachsenden räumlichen Aktionsradien nimmt der Autoverkehr stark zu.
- Die Regionen sind stärker miteinander verflochten, die Gemeinden verlieren ihren Handlungsspielraum, regionale Kooperationen werden wichtiger.
Anwendbarkeit
Zukunftsbilder und Zukunftsgeschichten sensibilisieren dafür, langfristige Landschaftsveränderungen wahrzunehmen; sie regen zum Nachdenken an, lösen Diskussionen über die Regionalentwicklung aus und motivieren zum Engagement. Damit werden Grundlagen für die Teilnahme der Bevölkerung an Beteiligungsprozessen geschaffen. Seither sind in anderen Forschungsprojekten noch weitere regionale Zukunftsbilder und Zukunftsgeschichten entstanden: Grenzregion Kärnten/ Slowenien, Gemeinde Weiz (Stmk.), Gemeinde Horn (NÖ).
Details
Auftraggeber: Bundesministerium für Wissenschaft und Verkehr
Projektleitung: Eva Favry, Helmut Hiess
Bearbeitungszeitraum: September 1998 – Dezember 1999

