LEDA

Forschung und Praxis: das Projekt LEDA in Markt Neuhodis, Burgenland LEistungen der DAseinsvorsorge im ländlichen Raum unter besonderer Berücksichtigung von Nonprofit Organisationen

 

Ausgangslage

Postamtsschließungen, Rückgang der Nahversorgung, abnehmende Schülerzahlen – ist die Daseinsvorsorge in kleinen Dörfern gefährdet? Das Forschungsprogramm TRAFO „Transdisziplinäres Forschen“ des Wissenschaftsministeriums bot eine Gelegenheit, die Grundversorgung im ländlichen Raum in einer lokalen Fallstudie vertiefend zu untersuchen. Im Forschungsprojekt LEDA arbeiteten wir mit dem NPO Institut für interdisziplinäre Nonprofit Forschung an der WU Wien zusammen und beleuchteten besonders die Rolle der ehrenamtlichen Tätigkeiten für die Daseinsvorsorge. Als Praxispartnerin wählten wie die Gemeinde Markt Neuhodis im burgenländischen Bezirk Oberwart aus.

Kooperation zwischen Forschung und Praxis

Den Ansprüchen an „transdisziplinäres Forschen“ entsprechend wurde im Forschungsprojekt LEDA der Zusammenarbeit zwischen dem Forschungsteam und der Gemeinde besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Ein partnerschaftlicher Austausch sollte sowohl einen wissenschaftlichen wie auch ein praktischen Mehrwert bringen. Der transdisziplinäre Prozess wurde durch die Firma 5p Consulting extern evaluiert und begleitet.

Das transdisziplinäre Kernteam

Als Forum der Zusammenarbeit wurde ein „transdisziplinäres Kernteam“ gebildet, dem der Bürgermeister, VertreterInnen verschiedener Vereine sowie eine Kindergärtnerin und die Kreisärztin angehörten. Das Forschungsteam organisierte und strukturierte den Kommunikationsprozess, bereitete die sechs Kernteam-Sitzungen vor und dokumentierte sie. Im Kernteam wurden Ziele und Forschungsschwerpunkte besprochen, später Forschungsergebnisse und Handlungsvorschläge diskutiert. Alle Kernteam-Sitzungen wurden vom Mediator Michael Szeiler, Rosinak & Partner ZT GmbH, moderiert.

Arbeitsschritte

Wir erhoben zunächst den Bestand an verschiedenen Dienstleistungseinrichtungen in der Region und führten einen Langzeitvergleich (seit 1970) aus. Mit einer Bevölkerungsbefragung (Vollerhebung) und vertiefenden qualitativen Interviews erfassten wir bestehende Bedürfnisse sowie die Qualitäten und Defizite der Daseinsvorsorge und des örtlichen Gemeinschaftslebens. Dann entwickelten wir – im Austausch mit dem transdisziplinären Kernteam – Maßnahmenvorschläge für die Gemeinde und die örtlichen Vereine und formulierten politische Empfehlungen.

Erhebungsergebnisse

Markt Neuhodis ist eine kleine, periphere, seit Jahren von Abwanderung betroffene Gemeinde. Die Bevölkerung ist mit dem regional vorhandenen Dienstleistungsangebot weitgehend zufrieden; Defizite gibt es vor allem bei Angeboten für Jugendliche. Die Vereine und ehrenamtlichen Tätigkeiten sind für die Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge und des Gemeinschaftslebens besonders wichtig; so hält beispielsweise ein Dorfladen, der mit viel Freiwilligenarbeit entstanden ist, die Nahversorgung aufrecht. Die örtlichen Vereine haben aber vielfach Schwierigkeiten, sich auf veränderte Lebensgewohnheiten wie die höhere Mobilität und Wahlfreiheit einzustellen; viele ehrenamtlich Aktive sind überlastet und leiden am Mangel an persönlicher Wertschätzung.

Schlussfolgerungen

Wie können – im Sinne der Sicherung der Daseinsvorsorge – lokale Gemeinschaften gestärkt werden? Ländliche Gemeinden und Regionen sind gefordert, Vereine und innovative Initiativen zu unterstützen, zu beraten, für Erfahrungsaustausch und Konfliktmanagement zu sorgen. Unter diesen Voraussetzungen können engagierte Menschen und Gruppen im ländlichen Raum gute Projekte zur Sicherung der Daseinsvorsorge entwickeln und dafür auch öffentliche Förderungen, z.B. aus den Programmen für die ländliche Entwicklung oder für die Europäische Territoriale Zusammenarbeit, in Anspruch nehmen.

Den Bericht können Sie hier herunterladen: Bericht

Details

Auftraggeber: Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst, Forschungsprogramm TRAFO Transdisziplinäres Forschen
Projektleitung: Helmut Hiess
Projektmanagement und Bearbeitung: Eva Favry
Projektpartner: NPO Institut für interdisziplinäre Nonprofit Forschung an der WU Wien, Eva Hollerweger
Bearbeitungszeitraum: April 2005 – September 2006