Daseinsvorsorge und Funktionsfähigkeit des ländlichen Raums
Ausgangslage
Die Infrastrukturen und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge, die das Rückgrat der lokalen Versorgung bilden, unterliegen seit einigen Jahren einem dynamischen Wandel: Die Ausdünnung bisher flächendeckender Versorgungsstrukturen aufgrund der Liberalisierung der Märkte und der Privatisierung öffentlicher Leistungen steht im Zentrum der politischen Auseinandersetzungen. Den angebotsseitigen Veränderungen stehen aber auch ein verändertes Konsumverhalten und neue Bedürfnisse aufgrund des demographischen und gesellschaftlichen Wandels gegenüber.
Es stellt sich die Frage, welche Folgen diese Veränderungen für die Grundversorgung des ländlichen Raums haben, ob seine Funktionsfähigkeit gefährdet ist, und wie die Gemeinden, Regionen und Länder auf die Herausforderungen reagieren sollen.
Aufgabenstellung
Die Österreichische Raumordnungskonferenz ÖROK beauftragte die Rosinak & Partner ZT GmbH mit einer Studie über die Entwicklungstendenzen der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum sowie die Handlungserfordernisse.
Folgende Arbeitsschritte wurden geleistet:
- Begriffsklärung, Reflexion der theoretischen Diskussion
- Klärung des gesellschaftlichen Auftrags: Ziele, Instrumente, Akteure.
- Analyse der Entwicklung von Dienstleistungen der Daseinsvorsorge; Identifizierung von Risikofaktoren und räumlichen Risikotypen.
- Lokale Fallstudie: Konsequenzen für betroffene Bevölkerungsgruppen.
- Regionale Szenarien der künftigen Entwicklung
- Sammlung von Good Practices
- Aufzeigen des Handlungsbedarfs und der Steuerungsmöglichkeiten; Maßnahmenvorschläge.
Ergebnisse und Empfehlungen
Aus der Analyse der Leistungen der Daseinsvorsorge lässt sich aktuell keine grundsätzliche Gefährdung der Funktionsfähigkeit ländlicher Räume feststellen. Die täglichen und periodischen Leistungen der Daseinsvorsorge sind mit dem PKW weitgehend flächendeckend in einem zumutbaren Zeitaufwand erreichbar. In einigen Sektoren wurden die Angebote in den letzten Jahren sogar erheblich ausgeweitet (Kinderbetreuungseinrichtungen, mobile Pflegeleistungen, Telekommunikationsinfrastruktur). Gleichzeitig ist aber eine Erosion des Leistungsangebots vor allem in kleineren Ortschaften in dünn besiedelten Gebieten zu beobachten. Daraus entstehen in diesen Orten strukturelle Zwänge zu einer motorisierten Mobilität sowie eine Schwächung der Vitalität und Funktionsfähigkeit der jeweiligen Gemeinwesen durch erhöhte Auspendlerquoten oder Abwanderung. Nichtmotorisierte, Personen mit eingeschränkter Mobilität sowie Familien mit Kindern sind von einer erschwerten Alltagsorganisation betroffen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung des ländlichen Raums lebt derzeit in „Risikogemeinden“, in denen in Zukunft eine Erosion der Dienstleistungen der Daseinsvorsorge zu befürchten ist. Besonders gefährdet von den Entwicklungen des Infrastrukturrückgangs sind die Gebiete mit Bevölkerungsabnahmen und geringer Bevölkerungsdichte sowie Ortschaften unter 1.000 EinwohnerInnen.
Im Sinne der Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge in Risikogemeinden wurden zwei Maßnahmenschwerpunkte empfohlen:
- Gemeindegrenzen- und sektorübergreifende Koordination und Zusammenarbeit bei der Leistungserbringung
- Stärkung des Gemeinwesens, Unterstützung von Nonprofit Organisationen und ehrenamtlicher Arbeit.
Details
Auftraggeber: Österreichische Raumordnungskonferenz ÖROK
Projektleitung: Helmut Hiess
Bearbeitungszeitraum: 2004 – 2006

