Hochrangige Eisenbahnverbindung Wien - Flughafen VIE - Wampersdorf, Kooperatives Planungsverfahren
Ausgangslage
Der Bundesminister für Wissenschaft und Verkehr hat gemeinsam mit den Landeshauptleuten des Burgenlandes, Kärntens, Niederösterreichs, der Steiermark und Wiens eine Expertengruppe "Ausbau-Varianten Südbahn" eingesetzt, die Entscheidungsgrundlagen für einen Konsens über den Ausbau des Gesamtsystems Südbahn erarbeiten sollte.
Ein Zwischenbericht der Expertengruppe wurde im September 1998 vorgelegt. Er enthält u. a. die Empfehlung, die Bahnlinien Wien - Flughafen VIE - Wampersdorf und Wampersdorf - Eisenstadt - Sopron möglichst schnell als hochrangige Bahnverbindungen auszubauen.
Aufgabenstellung
Das kooperative Planungsverfahren EWIWA - Hochrangige Eisenbahnverbindung Wien - Flughafen VIE - Wampersdorf wurde im Dezember 1998 begonnen. Die Aufgabe war, die Machbarkeit für eine hochrangige Eisenbahnverbindung Wien - Flughafen VIE - Wampersdorf zu untersuchen. Ein wichtiges Ziel des Verfahrens war ein Konsens über den schrittweisen Ausbau. Rosinak & Partner wurden von den ÖBB mit der Projektsteuerung und Moderation des Planungsverfahrens beauftragt.
Variantenbeurteilung
Auf Grundlage der zu erwartenden Verkehrsnachfrage 2015 wurde zunächst ein generelles Betriebskonzept entwickelt. Parallel dazu wurden zwei Netzalternativen und 16 Trassenvarianten ausgearbeitet und systematisch in Form einer Wirkungsanalyse beurteilt.
Ergebnisse
Die EWIWA-Vorschlagstrasse verläuft vom Bahnhof Wien Hbf entlang der Ostbahn bis zum Zentralverschiebebahnhof Wien, bindet dann über eine neu zu errichtende Verbindungsschleife beim Bf Klein Schwechat in die bestehende S7-Trasse ein und verläuft auf dieser bis zum neuen Bf Flughafen VIE. Von dort führt ein Vorschlagskorridor für eine Neubaustrecke östlich der Piste 16/34 zur Ostbahn (Götzendorf) und weiter bis zur Strecke Gramatneusiedl - Wampersdorf, für die ein bestandsnaher Ausbau vorgesehen ist.
Die Schnittstellen der EWIWA-Vorschlagstrasse sind der Bahnhof Wien Hbf und der Knoten Wampersdorf, wo der EWESO-Vorschlagskorridor (Eisenbahnverbindung Wampersdorf - Eisenstadt - Sopron) anschließt.
Schlüsselprojekte von EWIWA sind der Bf Flughafen VIE, der Umbau der Schnellbahn-Station Südtiroler Platz, die Neubaustrecke Bf Flughafen VIE - Ostbahn und in weiterer Folge auch der Bf Wien Hbf. Es ist vorgesehen, den Pier Nordost am Flughafen VIE innerhalb der nächsten sieben Jahre zu errichten, dadurch ergibt sich ein "Handlungsfenster" für den neuen Bf Flughafen VIE, das durch Kooperation aller Beteiligten genutzt werden sollte. Gelingt dies nicht, dürfte der vorhandene dreigleisige Bahnhof, in dem Fernzüge aufgrund der Zuglängen nicht halten können, weit über das Jahr 2015 hinaus in Betrieb bleiben.
Wichtige Voraussetzungen für EWIWA sind die Güterzugschleife Laaer Berg sowie die Schleife von der Ostbahn zur Donauländebahn. Eine Reihe anderer Ausbaumaßnahmen (z.B. Lainzer Tunnel, Neubaustrecke Wien - St. Pölten, durchgehend zweigleisiger Ausbau der Pottendorfer Linie) stehen nicht unmittelbar im Zusammenhang mit EWIWA, prägen jedoch die Leistungsfähigkeit im Gesamtnetz für den Knoten Wien oder sind für den Bf Wien Hbf notwendig.
Fristigkeiten bzw. Verkehrswirksamkeiten
- Ab 2003 wird die Schnellbahnlinie S7 zwischen Wien-Nord und Bf Flughafen VIE im Viertelstundentakt in Betrieb gehen.
- Ab 2007/8 kann ein "Airport-Shuttle" als Schnellbahnlinie S70 zwischen Westbahn und dem Flughafen VIE im Halbstundentakt geführt werden. Voraussetzung dafür sind der Umbau der Station Südtiroler Platz mit der Verbindung von der Schnellbahnstammstrecke zur Ostbahn und der neue Bf Flughafen VIE.
- Ab 2010/12 können nach Fertigstellung der Neubaustrecke Flughafen VIE - Ostbahn (Götzendorf) Schnellbahnverkehre über den Flughafen hinaus Richtung Ostbahn geführt werden.
- Der Bf Wien Hbf kann aufgrund notwendiger Vorarbeiten und der operativen Verknüpfungen mit anderen Projekten erst ab 2015 verkehrswirksam sein. Dann ist die Führung eines Flughafenqualitätsverkehrs bestehend aus Fernzügen und hochwertigen Regionalzügen über den Bf Flughafen VIE und den Bf Wien Hbf möglich. Die Strecke Gramatneusiedl - Wampersdorf wird zweigleisig ausgebaut.
Damit ergeben sich für das EWIWA-Verkehrsangebot vier Betriebsstufen, wobei die Attraktivität im Personennah- und -fernverkehr mit jeder Betriebsstufe zunimmt. Der Investitionsbedarf für die EWIWA-Maßnahmen beträgt ca. 20 Mrd. öS (1,45 Mrd. Euro), die Bahnhöfe Wien Hbf und Flughafen VIE, der Knoten Wampersdorf sowie alle notwendigen Streckenverknüpfungen und Verbindungsschleifen sind darin enthalten.
Wirkungen der EWIWA-Strecke
Die Bahn-Erreichbarkeit des Flughafen VIE wird im Nahverkehr mit Wien, im Regionalverkehr der Ostregion und im nationalen und internationalen Fernverkehr deutlich verbessert. EWIWA ist gemeinsam mit EWESO Teil einer hochrangigen Verkehrsverbindung nach Eisenstadt und Sopron, wo Trassenoptionen in Richtung Osten und Süden anschließen.
Details
Auftraggeber: ÖBB - Planung & Engineering
Projektkoordination: Werner Rosinak, Michael Szeiler
Bearbeitungszeitraum: Dezember 1998 - Juni 2000

