Straßenprojekt Mariahilfer Straße

Von der autofreundlichen Hauptstraße zur fußgängerfreundlichen Geschäftsstraße

Die Mariahilfer Straße ist die wichtigste und bekannteste Einkaufsstraße Wiens. Durch den Bau der U-Bahnlinie U3 wurde ein Neuausbau notwendig, wobei durch den Entfall der Straßenbahn auch Spielraum für eine Neuaufteilung des Straßenraumes entstand.

Zunächst wurde im Rahmen eines Gutachterverfahrens über die Gestaltung des Straßenraumes eine Verkehrsuntersuchung durchgeführt, in der die verkehrlichen Zielvorstellungen über die Funktion der Mariahilfer Straße erarbeitet wurden.

Dabei wurden folgende Prioritäten festgelegt:

  • Vorrang für FußgängerInnen
  • Keine Behinderung des Wirtschaftsverkehrs und des öffentlichen Verkehrs
  • Ausreichend Stellplätze für Bewohner und Einkaufende
  • Dosierung des Kfz-Verkehrs

Nachdem eine Zielverkehrsstärke definiert worden war, wurden die Lichtsignalanlagen so geschaltet, daß die für eine Hauptgeschäftsstraße als verträglich angesehene Verkehrsbelastung eingehalten wurde.

Diese restriktive Steuerung kommt sowohl den querenden Verkehrsströmen als auch den FußgängerInnen zugute: für die Fußgängerrelationen wurden "Alles-Grün-Phasen" eingerichtet, sodaß auch diagonales Queren im Kreuzungsbereich möglich ist.

Im Rahmen eines Straßendetailprojektes wurden die verkehrlichen Zielvorstellungen über die Funktion der Mariahilfer Straße auch baulich umgesetzt. Für die FußgängerInnen wurde durch eine erhebliche Verbreiterung der Gehsteige auf 6 bis 12 m - je nach Baulinienabstand - ein Qualitätssprung erreicht: endlich kann auf dieser prominenten Wiener Einkaufsstraße flaniert, gebummelt und verweilt werden.

Alle Gestaltungselemente sind darauf ausgerichtet, diese wichtige Verbesserung zu unterstützen: funktionelle Beläge, im Bereich der Gehsteige Pflasterung mit Betonplatten größeren Formats; beidseitige Baumreihen, Neupflanzungen ausschließlich in begehbaren Baumscheiben; eine markante und zugleich für den ganzen Querschnitt effiziente Beleuchtung.

Die übrige Möblierung ist sparsam und unaufdringlich, läßt einfach Platz und Freiraum, bietet ausreichend Flexibilität für temporäre Nutzungen. Dazu kommen punktuelle bauliche Maßnahmen zugunsten der FußgängerInnen, wie z.B. Querungshilfen in den Abschnitten zwischen den geregelten Kreuzungen, bei denen die Gehsteige bis an den Fahrbahnrand reichen und die trennende Fahrfläche durch Rampen auf Gehsteigniveau angehoben wurde.

Besonderen Raum nahm im Rahmen der Projektserstellung die Argumentation von Nutzungskonflikten ein. Beispielsweise wurde auf die Anordnung eines Radweges im Bereich des Gehsteiges verzichtet, da bei der Passantenfrequenz dieser Einkaufsstraße jeglicher fließender Verkehr, also auch der nichtmotorisierte, von der unmittelbaren Vorlandzone der Geschäfte ausgeschlossen sein muß.

Hingegen wurde durch die Reduzierung des MIV die gemeinsame Führung von Kfz-Verkehr und Radverkehr bei Tempo 30 auf der Fahrbahn möglich; zudem erlaubt die Breite der Fahrbahn von 6,5 m ein späteres Abmarkieren von Mehrzweckstreifen.

Insgesamt wurde die Mariahilfer Straße durch die Realisierung der verkehrstechnischen und der baulichen Maßnahmen zu einem funktionellen und attraktiven Einkaufsboulevard.

Details

Auftraggeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 18, 19, 28
Projekkoordination: Werner Rosinak, Karl Hummer
Bearbeitungszeitraum: 1989 - 1994