Radroute Alserbachstraße

Alserbachstraße - Julius-Tandler-Platz: Mehr Platz zum Radfahren statt Durchzugsverkehr

Vorgeschichte und Ausgangssituation

Der 9. Wiener Gemeindebezirk entschloss sich Mitte der 90er Jahre zu einer konsequenten Umsetzung des Wiener Verkehrskonzeptes: Alle Hauptstraßen im Bezirk sollten für den privaten Autoverkehr nur mehr einspurig geführt werden. Dadurch sollte der gebietsfremde Durchzugsverkehr verringert werden. Außerdem beteiligte sich der 9. Bezirk als Musterbezirk an der Initiative für ein fahrradfreundliches Wien: ein wichtiges Anliegen dieser Initiative war es, den "Donaukanalradweg" und den "Gürtelradweg" durch eine Radverkehrsanlage zu verbinden. Der Straßenzug der Alserbachstraße - von der Nußdorfer Straße über den Julius-Tandler-Platz bis zur Friedensbrücke - war demnach umzugestalten. Weil die Straßenbahngleise in der Alserbachstraße und am Julius-Tandler-Platz ohnehin erneuert werden sollten, war mehr Spielraum für die Neuaufteilung des Straßenraumes gegeben. Gleichzeitig sollte der Julius-Tandler-Platz attraktiv werden, besonders die Ansprüche der FußgängerInnen sollten berücksichtigt werden - schließlich ist der Julius-Tandler-Platz ein wichtiger Umsteigeknoten für den öffentlichen Verkehr.

Bereits seit 1992 waren Entwürfe für einen Radweg in diesem Straßenzug entwickelt worden. Die wechselnde Querschnittsbreite - mit einer Engstelle zwischen der Denkgasse und dem Julius-Tandler-Platz - hätte einen durchgehenden baulich getrennten Radweg nur bei erheblichem Stellplatzverlust ermöglicht. In der anschließenden Althanstraße waren für das Radfahren Mehrzweckstreifen vorhanden. Daher war es naheliegend, auch im Straßenzug der Alserbachstraße diese Art von Radverkehrsanlagen zu errichten, um so mehr als am Julius-Tandler-Platz zahlreiche Abbiegerelationen bestehen: Gerade im Knotenbereich tragen baulich getrennte Radverkehrsanlagen zu Konflikten zwischen dem Autoverkehr und dem Radverkehr bei, die Unfallhäufigkeit ist groß.

Das Projekt

In der Alserbachstraße und am Julius-Tandler-Platz wird der private Autoverkehr, abgesehen von Aufstellspuren bei Kreuzungen, einspurig geführt. Zwei frühere Nebenfahrbahnen wurden aufgelassen, die Flächen wurden in die Platzgestaltung einbezogen. Die Regelbreite der Fahrbahn beträgt 4,00 m, aufgeteilt in 2,50 m Fahrstreifen und 1,50 m Mehrzweckstreifen.

Foto: ARGUS

Die Gehsteige entlang der Geschäftsfassaden sind mindestens 3,00 m breit, wo es die Querschnittsbreite erlaubt bestehen Parkstreifen und Ladezonen. Der neue Gleiskörper der Straßenbahnlinien ist breit genug für das befahren mit Linienbussen, die neuen Haltestelleninseln bieten mehr Platz für die Fahrgäste. 

  

Der Julius-Tandler-Platz wurde von Architekt Timo Huber neu gestaltet: Wechselnde Beläge betonen die Zonierung der Platzfläche, Baumpflanzungen, neue Beleuchtungsmaste und Flugdächer gliedern die Vertikale.

Vor allem die Mehrzweckstreifen führten unmittelbar nach dem Umbau zu regen Diskussionen: Diese Art von Radverkehrsanlagen war in Wien noch recht ungewohnt und kam hier erstmals in größerem Umfang zum Einsatz. Manche VerkehrsteilnehmerInnen waren anfangs verunsichert, vor allem AutofahrerInnen. Die meisten RadfahrerInnen waren aber von Anfang an mit dieser Lösung sehr zufrieden.

Details

Auftraggeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 19, 28
Projektkoordination: Werner Rosinak, Projektleitung: Karin Gruber
Bearbeitungszeitraum: 1. Planungsphase ab 1992, Bauprojekt 1997 - 1999