Verkehrssimulation Wienerbergstraße

Ausgangslage

Die Wienerbergstraße im 12. Wiener Gemeindebezirk ist eine wichtige Ost-West-Verbindung im Wiener Stadtgebiet. Am Wienerberg ist in den letzten Jahren ein Büro- und Wohnkomplex entstanden, der vorwiegend über die Wienerbergstraße erschlossen wird. Die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist mangelhaft, ein hochwertiges öffentliches Verkehrsmittel (U-Bahn, S-Bahn) ist nur über das Sekundärnetz erreichbar. Vier städtische Buslinien verkehren in der Wienerbergstraße.

Aufgabenstellung

Ziel ist eine Beschleunigung des Busverkehrs ohne durchgängige Freihaltung des Fahrweges. Es sollen die verkehrstechnischen Möglichkeiten hinsichtlich dynamischer Lichtsignalregelungen und verkehrsabhängiger Steuerungen sowie deren Auswirkungen auf den Verkehrsablauf anhand einer Verkehrssimulation mit dem Programm VISSIM überprüft und dargestellt werden.

Verkehrsmodell

Für die vorliegende Untersuchung wurde das Simulationsmodell VISSIM 3.70 verwendet. VISSIM ist ein mikroskopisches, zeitschrittorientiertes und verhaltensbasiertes Simulationsmodell zur Nachbildung von Stadt- und Außerortsverkehr. Neben dem Individualverkehr (IV) kann auch schienen- und straßengebundener öffentlicher Personennahverkehr (ÖV) modelliert werden.
Das Ergebnis der Simulation ist eine Online-Animation des Verkehrsablaufs auf der graphischen Oberfläche und die Auflistung verschiedener verkehrlicher Kenngrößen, wie etwa Reisezeit- und Wartezeitverteilungen, differenziert nach Nutzergruppen.
Wesentlich für die Güte des Simulationssystems ist die Qualität des Verkehrsflussmodells. In der vorliegenden Untersuchung wird das psychophysische Wahrnehmungsmodell von WIEDEMANN verwendet. Verteilungsfunktionen über Geschwindigkeits- und Abstandsverhalten tragen dem unterschiedlichen Fahrverhalten Rechnung. Die verkehrsabhängigen Steuerlogiken werden durch externe Programme zur Lichtsignalsteuerung modelliert.

Simulation

Folgende Planfälle wurden untersucht:

  • Planfall 1: Bestand 2003
  • Planfall 2: Bestand 2003 mit dynamischer Lichtsignalregelung und verkehrsabhängiger Steuerung
  • Planfall 3: Prognose 2010
  • Planfall 4: Prognose 2010 mit dynamischer Lichtsignalregelung und verkehrsabhängiger Steuerung
  • Planfall 5: Prognose 2010 mit Einrichtung der geplanten Busspuren und bestehender Lichtsignalregelung

Ergebnis

Für die betrachteten Planfälle werden die Reisezeit (durchschnittliche Fahrzeit zwischen zwei Querschnitten einschließlich Haltezeiten) und die Verlustzeit (mittlere Verlustzeit gegenüber einer idealen Fahrt ohne Behinderungen) ausgewertet. Die Simulation wird für die Vor- und Nachmittagsspitzenstunde durchgeführt.
In den Planfällen mit dynamischer Lichtsignalregelung und verkehrsabhängiger Steuerung sinken die Reisezeiten im ÖV gegenüber den vergleichbaren Planfällen ohne Maßnahmen. Im MIV steigen die Reisezeiten geringfügig an.
Im Planfall mit Busspur kommt es zu erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrsablaufs an den Querschnittseinengungen für den MIV durch Reduktion von zwei auf einen Fahrstreifen. Der jeweils entstehende Rückstau beeinträchtigt den Verkehrsablauf an den benachbarten Knoten. Der Zufluß von Fahrzeugen aus den Querrelationen der Wienerbergstraße wird massiv behindert.
Die Ergebnisse der Verlustzeitmessungen spiegeln die Ergebnisse der Reisezeitmessungen wieder.

Zusammenfassung

Die Reisezeit- und Verlustzeitmessungen für den Planfall mit Busspur verdeutlichen die nachteiligen Auswirkungen der Einführung von Busspuren in der Wienerbergstraße. Die Einführung von Busspuren in der Wienerbergstraße führt zu massiven Behinderungen des MIV und in weiterer Folge auch des ÖV. Die ausgewerteten Daten zeigen, dass durch dynamische Lichtsignalregelungen und verkehrsabhängige Steuerungen die Reise- und Verlustzeiten für den ÖV trotz erhöhter Verkehrsbelastungen in der Prognose 2010 auf einem mit dem Bestand vergleichbaren Niveau gehalten werden können. Bei einer Gegenüberstellung der untersuchten Planfälle für eine Prognose 2010 ist dem Planfall 4 "Prognose 2010 mit dynamischer Lichtsignalregelung und verkehrsabhängiger Steuerung" der Vorzug zu geben.

Details

Auftraggeber: Wiener Linien GmbH & CO KG
Projektbearbeiter: Angelo Mazza
Bearbeitungszeitraum: 2003