Ein Masterplan für den Bahnhof Wien Europa Mitte
Ausgangslage und Aufgabenstellung
Seit vielen Jahren gibt es Überlegungen, an Stelle der heutigen Kopfbahnhöfe Süd- und Ostbahnhof einen zentralen Durchgangsbahnhof zu errichten, der die Westbahn mit der Ost-und Südbahn verbindet. In den Planungsverfahren "Chancen für den Donauraum" und EWIWA sowie in einem städtebaulichen Gutachterverfahren wurde dieses Thema entwickelt und vertieft.
Im Oktober 2003 haben die Republik Österreich, die Stadt Wien und die ÖBB ihre gemeinsamen Zielvorstellungen in einer Absichtserklärung ("Letter of Intent") festgehalten: Auf den nicht mehr betriebsnotwendigen Flächen sollen höherwertige Nutzungen realisiert werden. Als Voraussetzung für den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan sollte bis Ende 2004 ein Masterplan erstellt werden.
Verkehrsplanerische Aspekte
Die gute Erreichbarkeit im öffentlichen Verkehr soll im Sinne des Wiener Masterplanes Verkehr 2003 durch begleitende Maßnahmen für den motorisierten Zielverkehr – nach dem Grundsatz des "Push and Pull" – verstärkt werden. Dazu zählen ein Stellplatzregulativ für den Berufs- und Einkaufsverkehr, die Bevorrangung des öffentlichen Verkehrs im Straßenraum sowie beste Bedingungen für Fußgänger und Radfahrer durch großzügig angelegte Verbindungen und Routen.
Rahmenbedingungen für die Erschließung
Das an das Entwicklungsgebiet angrenzende städtische Verkehrsnetz gibt Rahmenbedingunge für die innere Erschließung vor; solche Rahmenbedingungen sind:
- Neue, attraktive Fußgängerverbindung vom Bahnhof zur U-Bahnlinie U1
- Neuordnung des Busverkehrs
- Verlängerung U-Bahnlinie U2 vom Karlsplatz zur Station Gudrunstraße
- Verlängerung der Straßenbahnlinie D auf den Laaer Berg
- B221 Niveaufreimachung Landstraßer Gürtel – A 23
- Nutzungsverdichtung und Netzgliederung im Arsenal Ausbau des Wiedner Gürtels
- Verkehrsorganisation Südtiroler Platz
- Radweglückenschlussprogramm
Funktionskonzept Erschließung
Das Funktionskonzept definiert die Erschließungsstraßen mit ihren Verkehrsfunktionen (ÖV, MIV, NMV) und ist Grundlage für die Festlegung von Baulinienabständen.
Straßenquerschnitte
Aus dem Funktionskonzept leiten sich die erforderlichen Straßenquerschnitte ab, wobei die Vorgaben des Masterplan Verkehr hinsichtlich der Gestaltung des Straßenraumes und der Entwurfselemente zu berücksichtigen sind. Die Straßenquerschnitte ergeben sich auch aus den angrenzenden Gebäudehöhen und definieren so die Freiraumqualität des Entwicklungsgebietes. Eine gewisse Flexibilität für funktionelle Ergänzungen in der zukünftigen Planung soll gewährleistet bleiben.
Zusatzverkehr
Der Zusatzverkehr der neuen Nutzungen des Entwicklungsgebietes muss in den Verkehrsnetzen bewältigt werden können. Im öffentlichen Verkehr sind keine Kapazitätsengpässe zu erwarten. Der motorisierte Zusatzverkehr ist auch vom Stellplatzangebot abhängig, das durch Anwendung eines Stellplatzregulativs reduziert werden soll. Der motorisierte Zusatzverkehr wird ca. 30.000 Kfz/Tag betragen.

Details
Auftraggeber: Österreichische Bundesbahnen
Projektbearbeitung: Werner Rosinak, Katharina Kühne
Bearbeitungszeitraum: 2004

