Über Mobilitäts- und Verkehrskonzepte

Im Rahmen des Stadtentwicklungsplanes Wiener Neustadt 2030 wird auch ein Verkehrskonzept erarbeitet. Beim BürgerInnendialog am 14. März 2018 wurde Werner Rosinak nach dem WARUM und WIE solcher Konzepte gefragt – dazu einige Thesen:

  • Mobilitäts- und Verkehrskonzepte müssen neue Qualitäten enthalten, sind also keine Strafexpeditionen mit Verboten und Einschränkungen. Die zentrale Frage ist: was wird für wen spürbar besser?
  • Die Suche nach Problemen, die dann auch gelöst werden sollen ist irreführend. Verkehrspolitik ist in erster Linie mühevolle Reparaturarbeit. Otto Neurath: „Wie Schiffer sind wir, die ihr Schiff auf offener See umbauen müssen, ohne es jemals in einem Dock zerlegen und aus besten Bestandteilen neu errichten können.“ Statt Problemen ist es hilfreicher, Herausforderungen zu formulieren, ohne Lösungsanspruch.
  • Herausforderungen sind im besten Fall Handlungsfelder, die bislang übersehen oder systematisch vernachlässigt wurden – sie erfordern zumeist auch besondere Anstrengungen, die im Planungsalltag nicht bewältigbar sind. Das erfordert ausreichende Ressourcen und geeignete Vorgangsweisen. Herausforderungen begründen Planungsprozesse. Herausforderungen überschreiten Fachgebiete: die Neuformulierung öffentlicher Räume ist eine interdisziplinäre Aufgabe, ebenso wie es Mobilitätslösungen für neue Stadtteile oder Anreize zur Multimodalität sind.
  • Für das so genannte „Alltagshandeln“ der Verkehrspolitik und Verkehrsplanung braucht man keine Konzepte, sondern Grundsätze, also Leitlinien für konkrete Projekte: wie den Straßenraum aufteilen, welche Standards für Verkehrsanlagen umsetzen?

Ganz grundsätzlich sind Mobilitäts- und Verkehrskonzepte Maßarbeit. Was anderswo erfolgreich war oder gescheitert ist, kann eine nützliche Information sein – nicht mehr. Über jede Stadt muss möglichst vorurteilsfrei und neu (nach)gedacht werden.